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Stakeholder Workshop in Wien 2026 – Breaking the Blame Game

Gemeinsam Zukunft gestalten statt Schuld verteilen am 23. und 24. Februar in Wien

Wie schaffen wir eine nachhaltigere Rindfleisch- und Milchversorgung in Österreich – ohne Polarisierung, ohne gegenseitige Schuldzuweisungen? Genau hier setzt unser fünfjähriges, vom FWF gefördertes Forschungsprojekt COwLEARNING an. Wissenschaftler:innen und Praktiker:innen arbeiten transdisziplinär auf Augenhöhe zusammen – mit dem gemeinsamen Ziel, tragfähige Lösungen für die Zukunft zu entwickeln.

Im Laufe des Projekts sind drei Zukunftsszenarien entstanden, die zeigen, wie eine nachhaltigere Milch- und Rindfleischversorgung in Österreich im Jahr 2050 aussehen könnte. Beim jüngsten Stakeholder-Treffen am 23. und 24. Februar 2026 an der BOKU University stand nun ein entscheidender Schritt im Mittelpunkt: Wie lassen sich diese Szenarien konkret umsetzen? Welche Maßnahmen sind notwendig, damit der Wandel sozial ausgewogen, ökologisch tragfähig und wirtschaftlich realisierbar wird?

Tag 1: Von Szenarien zu Transformationspfaden

Am ersten Tag kamen alle Kooperationspartner:innen und langjährigen Stakeholder zusammen. Ziel war es, aus den entwickelten Zukunftsbildern konkrete Transformationspfade abzuleiten.

Nach einer gemeinsamen Einführung arbeiteten die Teilnehmenden in drei heterogen zusammengesetzten Gruppen, jeweils einem der drei Szenarien zugeordnet. Jede Gruppe wurde von zwei Wissenschaftler:innen moderiert und begleitet. Zu Beginn erfolgte eine bewusste Einstimmung: Das jeweilige Szenario wurde aus der Perspektive des Jahres 2050 vorgelesen. Dieser Perspektivwechsel half, sich gedanklich in die Zukunft zu versetzen und das Szenario nicht nur analytisch, sondern auch emotional zu erfassen.

Im nächsten Schritt wurden zentrale Praktiken diskutiert. Diese waren bereits vom Forschungsteam strukturiert aufbereitet und in drei Kategorien gegliedert: Praktiken, die in allen Szenarien gestärkt werden sollen, solche, die in allen Szenarien reduziert oder beendet werden sollten, sowie szenariospezifische Praktiken. Die Teilnehmenden priorisierten jene Elemente, die sie als besonders entscheidend erachteten, und diskutierten intensiv, welche Veränderungen tatsächlich notwendig sind – und worauf bewusst verzichtet werden müsste, um das jeweilige Zukunftsbild zu erreichen.

Darauf aufbauend wurden in Kleingruppen möglichst konkrete Maßnahmen entwickelt. Dabei ging es nicht darum, Bestehendes zu dokumentieren, sondern gezielt neue oder auszubauende Schritte zu formulieren. Diskutiert wurden kurzfristige wie langfristige Interventionen, Maßnahmen mit struktureller Wirkung ebenso wie innovative Ansätze, die erst in Zukunft realisierbar sein könnten. Besonders wichtig war der Blick auf unterschiedliche Handlungsebenen – von regulativen Rahmenbedingungen über ökonomische Instrumente bis hin zu Informations- und Bildungsmaßnahmen.

Am Nachmittag wurden alle Maßnahmen entlang eines Zeitstrahls von 2026 bis 2050 eingeordnet. Welche Schritte müssen zuerst erfolgen? Welche Maßnahmen benötigen gesellschaftliche Vorlaufzeit? Wo bestehen Abhängigkeiten? Durch das gemeinsame Ordnen, Verschieben und Diskutieren entstand ein konsistentes Gesamtbild möglicher Transformationspfade. Zum Abschluss präsentierte jede Gruppe drei besonders innovative oder transformative Maßnahmen im Plenum.

Deutlich wurde: Transformation ist kein linearer Prozess – sie erfordert Koordination, Mut und gemeinsame Orientierung.

Tag 2: Perspektivenwechsel mit Personas

Am zweiten Tag wurde der Kreis erweitert. Zusätzlich zu den bisherigen Stakeholdern nahmen Vertreter:innen aus Ministerien, Handelsunternehmen, Arbeitsgemeinschaften und weiteren Institutionen teil, also zentrale Akteur:innen entlang der Wertschöpfungskette. Ein lebendiges Speeddating-Format zu Beginn sorgte dafür, dass sich langjährige Projektbeteiligte und neu Hinzugekommene rasch kennenlernen konnten und ein gemeinsamer Arbeitsrahmen entstand.

Im Mittelpunkt des zweiten Tages stand die Arbeit mit sogenannten Personas: fiktiven, aber realitätsnahen Charakteren, die typische Betroffene der jeweiligen Szenarien repräsentieren. Auch hier begann die Arbeit mit einer szenischen Einstimmung in das Jahr 2050. Anschließend entwickelten die Gruppen zwei Personas pro Szenario weiter, wobei der Fokus insbesondere auf ihren Ängsten, Herausforderungen und möglichen Benachteiligungen im jeweiligen Zukunftsbild lag.

Die Teilnehmenden schlüpften in die Rolle dieser Personen, argumentierten aus deren Perspektive und diskutierten gemeinsam, welche Unterstützungsstrukturen notwendig wären, damit der Wandel nicht zu sozialen Verwerfungen führt. Welche Ausgleichsmechanismen braucht es? Welche politischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden? Und was ist realistisch?

Eine der beiden Personas wurde schließlich zu einer Erfolgsgeschichte weiterentwickelt: Aus der Sicht des Jahres 2050 erzählten die Gruppen, wie es dieser Person gelungen ist, ein gutes Leben zu führen und welche strukturellen Veränderungen dazu beigetragen haben. In den abschließenden Präsentationen im Plenum wurden diese Geschichten vorgestellt und gemeinsam reflektiert.

Was bleibt

Die beiden Tage waren geprägt von Offenheit, Vertrauen und der Bereitschaft, unterschiedliche Perspektiven ernst zu nehmen. Es wurde intensiv diskutiert, kritisch hinterfragt und zugleich konstruktiv weitergedacht. Genau darin liegt die Stärke transdisziplinärer Forschung: Wenn Wissenschaft und Praxis nicht nebeneinander, sondern miteinander arbeiten, entstehen Lösungen, die fachlich fundiert und zugleich gesellschaftlich anschlussfähig sind.

Was bleibt, ist Zuversicht und die Erfahrung, dass ein respektvoller Dialog über kontroverse Themen möglich ist. Ein großes Dankeschön an alle Beteiligten für dieses engagierte, wertschätzende und inspirierende Miteinander. So fühlt sich „Breaking the Blame Game“ an.

Auszüge aus den Rückmeldungen …

  • So fühlt sich „Breaking the Blame Game“ an.
  • Es war sehr interessant einmal die Perspektive zu wechseln. Das habe ich eigentlich noch nie gemacht.
  • Es braucht Mut.
  • Bewahrende Kräfte haben wir in Österreich mehr als genug!
  • Das größte Risiko ist die Veränderung nicht mitzugehen.
  • Das Gefühl, wenn du aufhörst, problemorientiert zu denken und beginnst lösungsorientiert zu denken, das tut richtig gut.
  • Ich bin davon überzeugt, dass der beste Treiber des Wandels ein vertieftes Nachdenken über den Sinn ist.
  • Es ist schön zu sehen, was herauskommt, wenn die Perspektive gewechselt wird.